"Wenn Ihr noch ein wenig Lebenskraft in Euren Körpern verspürt, dann könnt Ihr aufstehen, dann könnt Ihr Euren Kindern eine Zukunft ermöglichen, dann könnt Ihr Euer Schicksal in die Hand nehmen..."

Pater Pedro

Die Geschichte von Akamasoa

Der 1948 in Argentinien geborene Priester kam 1970 das erste Mal nach Madagaskar, um als Maurer in den Gemeinden der Lazaristen zu arbeiten. Nach seiner Ausbildungsphase in Europa und seiner Priesterweihe in Argentinien kehrte er 1975 nach Madagaskar zurück und war 14 Jahre lang Pfarrer, bevor er 1989 zum Direktor der theologischen Hochschule in die Hauptstadt Antananarivo berufen wurde.
   
Konfrontiert mit der extremen Armut und dem Elend, welches in der Hauptstadt wütete, gründete er im Mai 1989 die Hilfsorganisation Akamasoa (übersetzt: Guter Freund) mit der Absicht, die menschliche Würde wieder herzustellen und zur ökonomischen und sozialen Wiedereingliederung der armen Familien in Antananarivo beizutragen.
   
Auf Bitten von Freunden und ländlichen Verantwortungsträgern, weitete der Verein seine Aktivitäten auf eine Vielzahl von Kommunen in Madagaskar aus.

Leitziele von Akamasoa

 1. Bedürftigen Menschen zeitlich begrenzte Nothilfe zukommen lassen 

 2. Rückkehr von Familien in ihre Ursprungsdörfer begleiten 

 3. Unterkünfte für Obdachlose Familien bauen

 4. Schulbildung für Kinder ermöglichen 

 5. Gesundheitsversorgung sichern 

 6. Beschäftigung/Anstellung durch Arbeit im Verein und außerhalb 

 7. Professionelle Ausbildung ermöglichen 

 8. Dienstleistungen für die umliegenden Dörfer zugänglich machen 

Akamasoa in Zahlen:
-  22 Dörfer, in denen bereits 3.038 Häuser gebaut wurden 

 - 17.594 Menschen, davon 13.987 Schulkinder 

 - 5 Kindergärten 

 - 6 Grundschulen, 4 Sekundarschulen, 2 Gymnasien und 3 Hochschulen 

 - 3.070 Arbeitsplätze, davon 464 Lehrkräfte 

Leben auf der Müllhalde

Als Pater Pedro 1989 während seines Amtsantritts zum Leiter des Priesterseminars in Antananarivo das Elend der Straßenkinder in der Hauptstadt und vor allem das unvorstellbare Leid der vielen Menschen auf den umliegenden Müllhalden entdeckte, stand sein Entschluss fest, diesen Menschen zu helfen und etwas gegen die unsagbaren Missstände zu unternehmen.

Nachdem er seinen Bischof davon überzeugen konnte, ihn von der Arbeit in dem Priesterseminar freizustellen, gründete er die Gemeinde und den Verein „Akamasoa“, was auf Madagassisch „Gute Freunde“ bedeutet, und legte damit den Grundstein für sein Lebenswerk mit dem Leitsatz:

"Man darf niemandem seine Verantwortung abnehmen, aber man soll jedem helfen, seine Verantwortung zu tragen."

 

Entstehung der Dörfer

Als Pater Pedro 1989 die erste Siedlung für und mit den auf den Müllhalden lebenden Menschen gründete, hatte er außer einem Steinbruch, den die Regierung ihm überließ, nur recht spärliche finanzielle Mittel, von denen er Werkzeuge für die Arbeit im Steinbruch kaufte.

Mit dem Verkauf der dort gewonnenen Steine konnten die ersten Häuser gebaut werden, und unterstützt durch seine internationalen Bemühungen, Spendengelder zu gewinnen, entstand nach wenigen Jahren bereits eine kleine Stadt oberhalb der Müllhalde.

Seit der Gründung 1989 sind inzwischen fünf Siedlungszentren bestehend aus 22 Dörfern mit einer gut funktionierenden Infrastruktur entstanden, wo mittlerweile 25.000 Menschen leben, davon allein 60% Kinder unter 15 Jahren.

Unter fachkundiger Anleitung von Pater Pedro haben die Obdachlosen selbst ihre Häuser gebaut, Wasser- und
Stromleitungen gelegt, Straßen und Gehwege gepflastert.

Soziale Verantwortung

"Es ist nicht seriös, Menschen, deren Vertrauen vollständig zerstört wurde, lediglich materiell zu unterstützen. Vor allem muss man ihnen ihren Sinn wiedergeben: ein Dach über dem Kopf, Arbeit und Schulen für die Kinder." (Pater Pedro)

Seit Gründung des Akamasoa-Projekts haben sich über 500.000 Menschen an die Aufnahmestationen gewandt. Wenn Neuankömmlinge in der Siedlung mit leben wollen, werden sie zunächst moralisch und auch psychisch unterstützt und wiederaufgebaut, da das Leben unter den Bedingungen extremster Armut oftmals zu schweren sozialen und auch psychischen Störungen führt.

Der soziale Wiedereingliederungsprozess ist manchmal nur dank intensiver Betreuung und Begleitung möglich. Grundsätzlich muss sich aber jeder mit bestimmten, für das Gemeinwesen geltenden Regeln einverstanden erklären, und Eltern müssen sich verpflichten, ihre Kinder in die Schule zu schicken, um ihnen eine Bildungschance zu ermöglichen und sie eben nicht, wie in Madagaskar weit verbreitet, als Arbeitskräfte einzusetzen.
 

Gesundheit und Bildung

Für die gesundheitliche Versorgung verfügen die Dörfer des Akamasoa-Projekts über verschiedenste medizinische Einrichtungen von Apotheken, über Entbindungsstationen und Krankenhäuser bis hin zu Zahnärzten.

Die schulische Ausbildung der Kinder ist Pater Pedro ein besonderes Anliegen, da nur durch gezielte Bildungsmaßnahmen berufliche Perspektiven möglich sind und damit der Schritt hin zu einem selbstbestimmten Leben.

Aktuell werden 13.500 Schulkinder in den Schuleinrichtungen von Akamasoa unterrichtet. Insgesamt gibt es fünf Grundschulen, vier Mittelschulen und zwei Gymnasien mit insgesamt 314 Lehrkräften und 70 Hilfslehrerinnen. 

Etliche der ehemaligen „Müllkinder“ haben entweder eine Lehre absolviert oder an der Universität studiert und sind heute selbst Ausbilder und Lehrer in Akamasoa.

Impressionen aus Akamasoa

Madagaskar und Wir e.V.

Bärbel Lange (Vorstand)
Tel.: +49 157 74 63 92 30
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